Getigerte Katze ruht entspannt im Profil
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HCM bei der Katze: Was du über die häufigste Herzerkrankung wissen musst

von Miriam Thal | Fachredaktion Gesundheit

Vielleicht hast du es schon erlebt: Deine Katze liegt auf dem Sofa, schläft friedlich – und du fragst dich, ob dieses winzige Wesen wirklich krank sein soll. Die Diagnose Hypertrophe Kardiomyopathie, kurz HCM, trifft viele Katzenhalter völlig unvorbereitet. Verständlich, denn Katzen zeigen selten, wenn etwas mit ihrem Herzen nicht stimmt. Die gute Nachricht: HCM ist zwar nicht heilbar, aber sie ist begleitbar. Und du kannst eine Menge dafür tun, dass dein Tier trotz Diagnose gut und lange lebt.

Was passiert bei HCM im Herzen deiner Katze?

HCM ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen. Dabei verdickt sich der Herzmuskel – genauer gesagt die Wand der linken Herzkammer – krankhaft. Das klingt vielleicht harmlos, hat aber weitreichende Folgen.

Anders als man vermuten würde, liegt das Hauptproblem nicht in der Pumpkraft des Herzens, sondern in der Entspannung. Das verdickte Herz wird steif und schlecht dehnbar. In der Entspannungsphase (Diastole) fließt dadurch zu wenig Blut in die Kammer. Der Druck im Herzen steigt, pflanzt sich rückwärts fort – erst in den linken Vorhof, der sich dadurch vergrößert, und schließlich in die Lungengefäße.

Das Tückische daran: Der Körper deiner Katze kann diese Veränderung lange Zeit kompensieren. Äußerlich merkst du oft nichts – manchmal über Monate oder sogar Jahre.

Warum ist die Diagnose so schwierig?

Katzen sind Meister darin, Krankheiten zu verbergen. Viele HCM-Patienten wirken kerngesund, fressen normal und spielen. Symptome wie vermehrtes Schlafen oder Rückzug werden häufig dem Alter oder dem Charakter zugeschrieben.

Diagnostische Stolperfallen

Herzgeräusche sind unzuverlässig. Ein fehlendes Herzgeräusch schließt eine HCM keinesfalls aus. Umgekehrt hat nicht jede Katze mit Herzgeräusch eine schwere Erkrankung – oft handelt es sich um harmlose Strömungsgeräusche oder stressbedingte Frequenzsteigerungen.

Blutwerte können in die Irre führen. Einzelne Biomarker wie proBNP geben zwar Hinweise, führen aber ohne bildgebende Untersuchung oft zu falschen Schlussfolgerungen.

Röntgen und EKG reichen nicht aus. Sie liefern wichtige Zusatzinformationen – etwa über Wasser in der Lunge oder Rhythmusstörungen –, können aber nicht in den Herzmuskel „hineinsehen“.

Der Goldstandard: Herzultraschall

Es gibt nur eine Methode, um HCM sicher zu diagnostizieren: die Echokardiographie, also den Herzultraschall. Nur hier können Wanddicke, Vorhofgröße, die Füllungsphase und der Blutfluss genau beurteilt werden. Erst auf dieser Basis ist eine sinnvolle Therapieentscheidung möglich.

Herz und Niere: Ein sensibles Team

Was viele Katzenhalter nicht wissen: Herz und Niere sind funktionell eng verbunden. Fachleute sprechen von der kardio-renalen Achse. Sinkt die Herzleistung, wird die Niere schlechter durchblutet. Sie reagiert, indem sie hormonelle Systeme aktiviert, um Wasser und Salz im Körper zu halten.

Kurzfristig hilft dieser Mechanismus. Langfristig belastet das zusätzliche Flüssigkeitsvolumen das ohnehin kranke Herz weiter. Zudem entwickeln viele herzkranke Katzen parallel eine chronische Nierenerkrankung. Das macht die Therapie zu einem Balanceakt, bei dem Herz und Niere immer gemeinsam betrachtet werden müssen.

Dein Bonus: So zählst du die Ruheatemfrequenz

Die Ruheatemfrequenz (RAF) ist das sensibelste Frühwarnsystem, das du zu Hause hast. Es kostet nichts außer einer Minute Aufmerksamkeit – und kann im Ernstfall Leben retten.

So geht’s: Warte, bis deine Katze tief schläft (nicht beim Schnurren oder Träumen). Zähle, wie oft sich ihr Brustkorb hebt und wieder senkt. Einmal heben und senken = ein Atemzug. Zähle 60 Sekunden lang.

Tipp: Führe ein kleines Tagebuch. Notiere regelmäßig Atemfrequenz, Gewicht und Appetit. So fallen schleichende Veränderungen schneller auf.

Du möchtest tiefer einsteigen?

Dieser Artikel gibt dir einen soliden Überblick. Doch HCM hat viele Facetten: Welche Therapie passt zu welchem Stadium? Wie ernährst du eine herzkranke Katze richtig? Was bedeuten die einzelnen Medikamente – und wann werden sie wirklich nötig? Im Themenmodul Herzerkrankungen: HCM bei der Katze erfährst du all das – erklärt von Tierarzt Maurice Maurer, Schritt für Schritt und in deinem Tempo.

→ Zum Themenmodul: Herzerkrankungen – HCM bei der Katze

HCM ist eine Diagnose, die erst mal schwer wiegt. Aber sie bedeutet nicht, ab jetzt in ständiger Angst zu leben. Viele Katzen führen mit guter Begleitung und aufmerksamen Haltern noch lange ein gutes Leben. Deine Beobachtungsgabe und deine Ruhe im Alltag sind dabei mindestens so wichtig wie die Tabletten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt nicht den Besuch beim Tierarzt. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten konsultiere bitte immer eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Eigenmächtige Änderungen an der Herzmedikation können lebensbedrohlich sein.