Hund und Katze schlafen gemeinsam auf einer Decke
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Immunsystem von Hund und Katze stärken: was im Winter zählt

Draußen ist es nass und früh dunkel. Beim Spaziergang niest dein Hund zweimal hintereinander, und die Katze liegt seit Tagen fast nur noch auf der Heizung. Im Netz versprechen Pulver und Tropfen eine starke Abwehr für den Winter. Und du fragst dich: Was braucht mein Tier wirklich?

Wer das Immunsystem seines Hundes oder seiner Katze stärken möchte, findet die wichtigsten Stellschrauben im Alltag: Impfschutz, Parasitenvorsorge, passendes Futter, ein gesundes Gewicht, Ruhe und Bewegung. Hier erfährst du, was belegt ist, wann häufige Infekte ein Fall für die Tierarztpraxis sind und wie du Naturheilkunde einordnest.

Wie funktionieren die Abwehrkräfte von Hund und Katze?

Haut und Schleimhäute halten viele Erreger fern, Abwehrzellen bekämpfen Eindringlinge, und ein immunologisches Gedächtnis erkennt bekannte Erreger beim nächsten Kontakt schneller. Auf diesem Gedächtnis beruht jede Impfung.

Auch der Darm gehört dazu. Die Darmbakterien helfen nach heutigem Forschungsstand, Krankheitserreger abzuwehren, und prägen das Immunsystem mit. Ihre Zusammensetzung hängt unter anderem vom Futter ab, und Antibiotika verringern ihre Vielfalt rasch und deutlich. Ein gesunder Darm ist ein Baustein der Abwehr, einer von mehreren.

Das Immunsystem von Hund und Katze stärken: die Grundlagen

Impfschutz nach StIKo Vet

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) zählt Impfungen zu den wichtigsten Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten. Als Core-Impfungen, die jedes Tier haben sollte, gelten beim Hund Staupe, Parvovirose und Leptospirose, bei der Katze Katzenseuche sowie die Herpes- und Caliciviren des Katzenschnupfens. Ihr Grundsatz: jedes Tier so häufig wie nötig impfen und möglichst viele Tiere impfen, um alle zu schützen. Vor jeder Impfung prüft die Tierarztpraxis bei einer Untersuchung, ob dein Tier geimpft werden kann. Tollwut ist in Deutschland keine Core-Impfung mehr, für Reisen über die Grenze aber Pflicht.

Parasitenvorsorge auch im Winter

Nach Angaben des Parasiten-Expertenrats ESCCAP ist die Wiesenzecke schon knapp über dem Gefrierpunkt aktiv, im Herbst bis in den November und an milden Wintertagen. Für Hunde mit regelmäßigem Auslauf empfiehlt ESCCAP deshalb ganzjährigen Zeckenschutz mit zugelassenen Tierarzneimitteln. Ist das Wurmrisiko unbekannt, rät ESCCAP, mindestens viermal im Jahr zu entwurmen oder den Kot untersuchen zu lassen.

Ausgewogenes Futter und Idealgewicht

Die Basis ist ein Futter, das zu Tierart, Alter und Gesundheit passt. Steht „Alleinfuttermittel“ auf dem Etikett, reicht es nach EU-Futtermittelrecht allein für die tägliche Ration.

Beim Idealgewicht sind die Rippen ohne dicke Fettschicht tastbar, von oben ist hinter den Rippen eine Taille zu sehen, und von der Seite wirkt der Bauch leicht hochgezogen. So beschreibt es die Körperkonditionstabelle der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) für Hunde, bei Katzen nennt sie statt des hochgezogenen Bauchs ein nur kleines Fettpolster am Bauch. Was ein schlankes Gewicht ausmachen kann, zeigt eine Langzeitstudie mit 48 Labrador Retrievern: Die knapper gefütterten Hunde lebten im Median länger, chronische Erkrankungen zeigten sich bei ihnen meist später.

Themenmodul Immunbooster aus der Natur (Hund)

Immunbooster aus der Natur (Hund)

Tierheilpraktikerin Annette Dragun zeigt, wie Futter, Darmpflege, Bewegung, Licht und Ruhe im Alltag deines Hundes zusammenspielen. Sie stellt die naturheilkundlichen Bausteine aus ihrer Praxis mit Grenzen und Sicherheitsregeln vor und erklärt, wann dein Hund in die Tierarztpraxis gehört.

Ruhe, Schlaf und weniger Stress

Beim Menschen ist gut untersucht, dass ausreichender Schlaf mit einem geringeren Infektionsrisiko und besseren Impfantworten einhergeht. Aus der Stressforschung, vor allem an Menschen und Labortieren, ist bekannt: Kurzer Stress kann die Abwehr mobilisieren, lang anhaltender Stress dämpft sie. Ungestörte Ruheplätze und ein verlässlicher Tagesablauf sind deshalb ein vernünftiger Baustein für Hund und Katze.

In einer US-amerikanischen Studie mit 60 Katzen in einem Tierheim erkrankten Tiere mit hohen Stresswerten mit 5,6-fach höherer Wahrscheinlichkeit an einer Infektion der oberen Atemwege als Katzen mit niedrigen Stresswerten. Nach einem Herpesvirus-Schnupfen bleibt das Virus meist lebenslang im Körper, und Stress kann es wieder aktivieren.

Was Katzen entspannt, beschreiben die Umwelt-Leitlinien der Katzenfachgesellschaften ISFM und AAFP (heute FelineVMA) von 2013 mit fünf Säulen: ein sicherer Rückzugsort, mehrere getrennte Ressourcen wie Futter, Wasser, Toilette, Kratz-, Spiel- und Ruheplätze, Gelegenheit zu Spiel und Jagdverhalten, ein freundlicher, vorhersehbarer Umgang mit Menschen und Rücksicht auf den Geruchssinn.

Themenmodul Immunstärkung für Katzen

Immunstärkung für Katzen

Tierheilpraktikerin Annette Dragun erklärt, woran du Anzeichen einer überforderten Abwehr erkennst, wie du ein Futteretikett liest und wie Gewicht, Rückzugsorte, Ruhe und Bewegung in den Katzenalltag passen. Dazu kommen die Sicherheitsregeln, die bei Katzen besonders wichtig sind.

Bewegung und Beschäftigung im Winter

Bewegung verbraucht Energie und hilft, das Idealgewicht zu halten. Für Katzen halten die Umwelt-Leitlinien fest, dass fehlende Gelegenheiten zum Jagdspiel zu Übergewicht, Langeweile und Frust führen können, bis hin zu stressbedingten Erkrankungen. Bei Katzen sorgen Federangel und Futterspiele für Abwechslung, bei Hunden auch an Schmuddeltagen Schnüffel- und Suchspiele.

Ältere Hunde und Katzen: Vorsorge zählt

Bei älteren Hunden und Katzen lässt vor allem die zellvermittelte Immunantwort nach. Impfantikörper bleiben nach bisherigen Untersuchungen aber meist in schützender Höhe, und nach einer Auffrischung steigen die Werte wieder an. Die amerikanische Katzenfachgesellschaft FelineVMA empfiehlt für Katzen zwischen 10 und 15 Jahren mindestens alle sechs Monate einen Praxistermin, für gesunde Katzen über 15 Jahre alle vier Monate. Auch für ältere Hunde lohnt sich ein engerer Vorsorgeplan mit der Tierarztpraxis.

Dein Abwehr-Check für Herbst und Winter

  1. Impfpass ansehen: Sind die Core-Impfungen aktuell?
  2. Parasitenschutz planen: Zeckenschutz für Hunde mit Auslauf auch im Winter, Entwurmung oder Kotuntersuchung nach Risiko.
  3. Futter prüfen: Alleinfuttermittel, passend zu Alter und Gesundheit?
  4. Gewicht checken: Rippen tastbar, Taille sichtbar?
  5. Ruheplatz einrichten: ungestört, für Katzen auch erhöht und mit Versteck.
  6. Bewegung einplanen: täglich Spaziergang, Spiel oder Futterspiel.
  7. Bei älteren Tieren: Vorsorgetermin vereinbaren.

Häufige Infekte: Wann muss dein Tier in die Tierarztpraxis?

Hinter wiederkehrenden oder lang anhaltenden Infekten kann eine andere Erkrankung stecken. Bei Hunden mit Diabetes oder Cushing-Syndrom, einer Überfunktion der Nebennierenrinde, sind Harnwegsinfektionen häufig und verlaufen oft ohne typische Anzeichen. Auch Katzen mit Diabetes haben häufig Harnwegsinfektionen.

Bei Katzen gehören die Viren FIV und FeLV auf die Liste. Beide können das Immunsystem schwächen. Typische Folgen einer FIV-Infektion sind etwa chronische Entzündungen der Maulschleimhaut oder chronischer Schnupfen. Die Leitlinien der FelineVMA empfehlen, den Virusstatus jeder Katze mit Ansteckungsrisiko zu kennen und Katzen bei Krankheit zu testen. Mit guter Betreuung können FIV-positive Katzen so lange leben wie nicht infizierte.

Bei Atemnot gehört dein Tier sofort in die Praxis. Fieber, deutliche Mattigkeit, wiederholtes Erbrechen oder Blut im Kot lässt du noch am selben Tag abklären, ebenso eine Katze, die länger als einen Tag nichts frisst.

Naturheilkunde und Homöopathie: ergänzen, nicht ersetzen

Manche Halter nutzen ergänzend Naturheilkunde oder Homöopathie. Beides zählt zur Erfahrungsheilkunde und stützt sich vor allem auf praktische Erfahrung, nicht auf einen naturwissenschaftlichen Wirknachweis. Zur Homöopathie bei Tieren kam eine Metaanalyse kontrollierter Studien zu dem Schluss, dass Zahl und Qualität der Studien keine eindeutige Aussage erlauben. Wer ergänzen möchte, beachtet klare Regeln:

  • Nur nach Rücksprache mit deiner Tierarztpraxis, vor allem bei Medikamenten, chronischer Krankheit, Trächtigkeit, sehr jungen oder alten Tieren.
  • Nie anstelle einer tierärztlichen Untersuchung oder Behandlung.
  • Keine Produkte für Menschen und keine selbst angesetzten Zubereitungen.
  • Bei Katzen besonders vorsichtig sein: keine ätherischen Öle, Pflanzenzubereitungen nur nach Rücksprache.

Der Grund liegt in der Leber: Katzen fehlt ein funktionsfähiges Enzym, mit dem die meisten anderen Säugetiere bestimmte Fremdstoffe über die sogenannte Glucuronidierung abbauen. Die Forscher vermuten dahinter die stark fleischbetonte Ernährung der Katzen, die kaum Pflanzenstoffe enthält. Wie ernst eine Vergiftung werden kann, zeigt eine Auswertung des Giftnotrufs der US-Tierschutzorganisation ASPCA: Unverdünntes Teebaumöl führte bei Hunden und Katzen innerhalb weniger Stunden zu Speicheln, Mattigkeit, Gangunsicherheit und Zittern, junge und leichte Katzen erkrankten besonders schwer.

Themenmodul Homöopathie für den Katzenhaushalt

Homöopathie für den Katzenhaushalt

Tierheilpraktikerin Annette Dragun erklärt die Grundlagen der Homöopathie als Erfahrungsheilkunde und die stressfreie Gabe bei Katzen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Grenzen der Selbstbehandlung und darauf, wann deine Katze in die Tierarztpraxis gehört.

Häufige Fragen

Wie kann ich das Immunsystem meines Hundes im Winter stärken?

Mit den Grundlagen: aktueller Impfschutz, ganzjähriger Zeckenschutz bei Auslauf, Entwurmung nach Risiko, passendes Alleinfuttermittel, Idealgewicht, Ruhe und tägliche Bewegung. Naturheilkundliche Ergänzungen nur nach Rücksprache mit der Tierarztpraxis.

Welche Impfungen empfiehlt die StIKo Vet für Katzen?

Für jede Katze die Impfung gegen Katzenseuche sowie gegen die Herpes- und Caliciviren des Katzenschnupfens. Die Impfung gegen das Leukämievirus FeLV gilt als Non-Core-Impfung und richtet sich nach dem Ansteckungsrisiko.

Wann sind häufige Infekte ein Fall für die Tierarztpraxis?

Wenn Infekte wiederkommen, lange dauern oder dein Tier deutlich schwächen. Dahinter können Erkrankungen wie Diabetes, beim Hund auch ein Cushing-Syndrom, oder bei Katzen eine Infektion mit FIV oder FeLV stecken.

Darf ich bei meiner Katze ätherische Öle verwenden?

Nein. Katzen bauen bestimmte Stoffe über die Leber nur schlecht ab. Auch Kräuter gibst du nur nach Rücksprache mit deiner Tierarztpraxis.

Was im Winter zählt, sind viele kleine Bausteine im Alltag: Impfschutz, Parasitenvorsorge, gutes Futter, gesundes Gewicht, Ruhe und Bewegung. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, bieten dir die Themenmodule von Minerva Campus Video, Zusatzmaterial und ein interaktives Praxistool, einzeln erhältlich, ohne Abo und jederzeit abrufbar.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht die Untersuchung und Behandlung in der Tierarztpraxis.